Flutessence

Repertoire und Ensembleformen

    Spät Mittelalter

Musikarten:
Kirchenmusik:
Motette, Madrigal
Hof- und Stadtmusik: Liedbegleitung, Intavolierung, Ballade, Caccia
Tanzmusik (Höfische / Volkloristische): Spielmanstänze
Ensembleformen, u.A:
  • Solo Blockflöte (oder Blockflöte mit Schlagzeug)
  • Duo (mit Gesang oder anderes Melodieinstrument)
  • Blockflöte, Gesang, Gambe, Orgel (Hofensemble)
  • Blockflötenconsort (3- und 4-Stimmig, die Dreistimmigkeit überherscht)
  • Solo mit Begleitung (Laute, Harfe, Orgel, Cembalo)

Komponisten:
u.A. Johannes Ockeghem, John Dunstable, Guillaume Dufay
Blockflötenvirtuosen: Conrad Pauman (auch Laute- und Orgelspieler)

   Renaissance

Eigentlicher Höhepunkt des professionellen Blockflötenspiels ist die Zeit der Renaissance. Sowohl in der Kirche, am Hof und in den Stadtkapellen ist die Blockflöte ein bedeutungsvolles Instrument.Das instrumentale Repertoire wird aber fast ausschliesslich improvisiert und kaum notiert. Insofern die Musik aufgeschrieben wird, wird die wirkliche Ausdruckskraft die entsteht durch die instrumentale Sprache des Diminuirens, meistens nicht aufgezeichnet. Die Klischees und die affektvolle Improvisationskunst, sind von einigen Renaissancemusikern festgelegt worden in Übungsbücher. Wegen ihrer Artikulationsvielfalt kombiniert mit ihrem leichten Anblasdruck wird die Blockflöte schon jetzt gerühmt und pädagogisch eingesetzt als Vorbereitung auf das Cornettospiel.

Musikarten: 
Kirchenmusik: Motetten, Madrigale, Canzonen                                                                     
Hof- und Stadtmusik: freies Ricercar, bastarda Ricercar, Intavolierung und Diminution, das 
                                     Tenorlied, Canzon Francese
Tanzmusik (Höfisch / Volkloristisch): kontrapunktische Tanzmusik (dreistimmig improvisiert
                                  um ein Tenor Cantus Firmus ; z.B. La Spagna, Bassa Danza.)

                                  harmonische Tanzmusik (vierstimmig improvisiert auf einer Basslinie; z.B.
                                  Pasamezzo)

Ensembleformen, u.A:
  • Solo Blockflöte
  • Blockflöte, Gesang, Gambe, Orgel (Hofensemble)
  • Blockflöte, Gesang, gedämpfte Posaune, Gambe
  • Blockflötenconsort (3 bis 12 Stimmig)
  • Solo mit Begleitung (Laute, Harfe, Orgel, Cembalo)
Komponisten: u.A. Jacob Obrecht, Heinrich Isaac, G.P.da Palestrina,
Blockflötenvirtuosen: Silvestro Ganassi

  Früh Barock

Theatermusik ist die neue Mode:
„O! the recorders...govern  these ventages with your finger  and thumb, give it breath with  your mouth, and it will discourse  most eloquent music.“  [aus Shakespeares „Hamlet“]

Die g'-Alt, f '-Alt und c''-Sopranflöten bekommen eine Rolle als Orchesterinstrument. Die tiefere Flöten werden in gemischten Consorts und Ensembles verwendet.

Neben dem professionellen Repertoire, gibt es ab etwa 1580 Bearbeitungen für Blockflöte von den großen Opern, Theatermusik und Orchesterwerke  - eine art Puppenkistenversion der professionellen Musikrealität -  für privaten Gebrauch als Hausmusik und für pädagogische Zwecke.

          

In den Niederlanden war es üblich im Familienkreis geistliche Musik mit Blockflöten zu spielen.
               
Musikarten:
Kirchenmusik: Motetten, Madrigale
Hof-, Stadt- und Theatermusik: Ricercar, Fuge, Canzone, Sonate, Oper, Arie, Intavolierung, Consortsong
Tanzmusik (Höfisch / Volkloristisch): Harmonische Tanzmusik (drei. bis siebenstimmig komponiert)

Ensembleformen, u.A:
  • Solo Blockflöte
  • Solo mit Basso Continuo (Orgel, Cembalo, Laute)
  • Gemischtes Consort (Blockflöte, Gesang, Gamben/Geigen, Lauten)
  • Blockflötenconsort (3 bis 12 Stimmig) (von Michael Praetorius 'das Stimmwerk' genannt)
  • 2 Blockflöten sind fest im Barockorchester
  • 1 bis zu 7 Blockflöten in farbigen Ensembles mit Basso Continuo

Komponisten: u.A. Henry Purcell, Giovanni Gabrieli, Heinrich Schütz, Dario Castello, Johann
                         H.Schmelzer, Heinrich I.Biber
Blockflötenvirtuosen: Giovani Bassano, Girolamo Dalla Casa (auch Cornettospieler), Jacob
                                      van Eyck   

    Hoch Barock

Obwohl die Blockflöte immer noch in vielen Größen gebaut wird (üblich sind: f-Basset, c'- und d'-Tenor, f'-, g'- Alt, a', b', c''- und d''-Sopran, f''-Sopranino), wird sie nicht mehr als Consortinstrument verwendet. Vor allem die höheren Flöten werden verwendet als Orchesterinstrument. Die f-Bassetflöte war vor allem als Hausmusikinstrument geliebt.

Musikarten:
Kirchenmusik: Kantaten, Sonaten
Hof-, Haus- und Stadtmusik: Kantaten, Sonaten
Tanzmusik (Höfisch / Volkloristisch): Tanzsuiten (u.A. Allemande, Courante, Sarabande, Menuet, Gigue)

Ensembleformen, u.A:
  • Solo mit Basso Continuo (Orgel, Cembalo, Laute)
  • Blockflöte, Gesang und Basso Continuo (Kantaten Ensemble)
  • 2 Blockflöten und Basso Continuo (Trio Ensemble)
  • Blockflöte, zwei andere Melodieinstrumente und Basso Continuo (Quadro Ensemble)
  • 2 Blockflöten sind fest im Barockorchester
  • Solo Blockflöte, 2 Blockflöten oder Blockflöte und Traversflöte mit Kammerorchester
  • 3 oder 4 Blockflöten mit Basso Continuo
Komponisten: u.A. Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Christian Schickhardt, Diogenio Bigaglia, Jacques Hotteterre, Charles Dieupart, Robert Woodcock
Blockflötenvirtuosen: John Baston, Jacques Paisible, John Bannister u.a.
            

  Klassik   

Nach Johann Sebastian Bach wird die Blockflöte kaum noch in größeren Kompositionen verwendet. In der Hausmusik bleibt die Blockflöte - vor allem auch die Bassetblockflöte -  geliebt. Blockflötenähnliche Instrumente wie Flötenorgel, Lira Organizzata und Flötenuhren werden von einigen Komponisten mit schönen Werken bedacht.  Und obwohl er nur für mechanische Blockflöten komponiert hat, besaß auch Ludwig van Beethoven eine eigene Blockflöte in der Form eines Wanderstocks.
 
Hof-, Haus-
und Stadtmusik:  Sonaten
Tanzmusik (Höfisch / Volkloristisch):
Ensembleformen, u.A:
  • Blockflöte, Viola und Hammerklavier
  • Blockflötenquartett und Quintett (für mechanische Flötenwerke)
  • Zwei Blockflöten und Streichorchester
Komponisten: u.A. C.Ph.E.Bach, W.A.Mozart, L.van Beethoven, Anton Diabelli, Anton Stadler, Franz Jospeh Haydn
Blockflötenvirtuosen: u.a.

   Romantik

In ihrer Rolle als pädagosiches Instrument und in der Salon- und Volksmusik lebt die Blockflöte in dieser Epoche weiter. Als 'sjøfløyte' (Seeflöte) bleibt sogar das barocke Blockflötenmodell als Alt und Sopran ununterbrochen bis ins 20.Jahrhundert erhalten in der Volksmusik von Noorwegen.



Im Orchester wird die Blockflöte nur noch selten verwendet und dann nur als Flageoletfarbe. Ihre Orchesterstelle ist übernommen von der Klarinette. Später in der Romantik wird das Flageolet von der Piccolo Querflöte ersetzt. Ausnahmen im Repertoire sind die Kompositionen der einzelnen Virtuosen die ihre eigene Musik komponieren.
Einige Komponisten verwenden die Blockflöte wegen ihrer Verbindung mit den alten Zeiten (Barock, Renaissance, Mittelalter). Wie Carl Maria von Weber in seiner Oper "Peter Schmoll und seine Nachbarn" (1801), wo er zwei Blockflöten für ein instrumentales Zwischenspiel einsetzt. Und später nochmal in "Kleiner Tusch" (1806). Oder Richard Strauss in einer unveröffentlichten "Fantasie über ein Thema von Giovanni Paisello" (1883) für Fagotto, Mundflöte and Guitarre.

Musikarten:
Hof-, Strassen- und Hausmusik: Sonate, Nocturne, Rondo, Divertimento, Charakterstücke, Konzerte
Tanzmusik (Höfische / Volkloristische): Polonaise, Walzer, Marsch

Ensembleformen, u.A:

  • Solo Blockflöte mit Klavier
  • Solo Blockflöte mit Gitarre (oder 2 Gitarren)
  • Solo Blockflöte, Gitarre und Violine (Viola)
  • 2 Blockflöten und Gitarre
  • Solo Blockflöte mit Kammerorchester
  • Blockflötentrio
Komponisten: u.A. Anton Kargl, Stefan Franz, Leonhard von Call, Wenzeslaus Matiegka, Narcisse Bousquet, Abbé Gelinek
Blockflötenvirtuosen: Anton Heberle (fl 1806–16), Erneste Krähmer (1795–1837), Eugène Roy (um 1820) u.a.


   20. Jahrhundert

Neo Romantik / Neo Impressionismus / Dodecaphonie / Post Modernismus / Minimal Music / Pointilismus / Aleatorische Musik

Im zwanzigsten Jahrhundert sind zwei große Bewegungen verantwortlich für eine Wiederbelebung der Blockflöte auf der professionellen Konzertbühne:
 - das neue Interesse in Pre Klassische Musik und ihre originale Klangwelt (Die Gründung der Bogenhausener Künstlerkapelle um 1890 war erster Ansatz für diese Bewegung. Hier wurde  mit originalen Blockflöten u.a. von Denner musiziert)
- Gegenbewegung gegen das musikalische Establishment in den 60ger Jahre

Die große Energie, Neugierde und Inspirationskraft von einigen Musikern (u.A. Arnold Dolmetsch, Kees Otten, René Clemencic, David Munrow) finden in diesem Klima einen guten Boden. Die professionellen Spieler sind vor allem tätig im Bereich der 'Alten Musik'. 
Die neu entdeckte Klangwelt und die Spielmöglichkeiten der Blockflöte inspirieren aber auch neuzeitliche Komponisten.
Es gibt kaum eine Ensembleform wo die Blockflöte nicht mal mitspielt. Anderseits gibt es auch keine wirklich feste Instrumentenkombination wo die Blockflöte sich wirklich zuhause fühlt, und bleibt  eine Integrierung vom Instrument in die neuzeitliche und avantgardistische Musikszene aus. Vor allem dadurch tragen die große Komponisten wie György Sándor Ligeti, Ton de Leeuw, Edgar Varèse, Steve Reich nicht bei zum Blockflötenrepertoire. Trotzdem wächst das neuzeitliche Repertoire durch großes Interesse von jüngeren Komponisten an der lebendigen Blockflötenszene die immer offen ist für Experimente.

Neben dieser professionellen Entwicklung steht einen großen Aufschwung im Amateur-, Haus-  und Volksmusikbereich. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich vor allem die sogenannte Blockflötenbewegung welche Peter Harlan (1930) auslöste. Seine Absicht war es, ein Instrument zu schaffen, "welches durch noch so große Kunst nicht im Klang gesteigert, welches durch keinerlei Virtuosität in seinem Wesen verstümmelt werden konnte". Die Blockflöte die schon seit der Renaissance (1580) als pädagogisches Instrument ihre wichtige Rolle erfüllt hatte, war für diesen Zweck eine logische Wahl.

Die Vereinigung von Kunstmusik und Volksmusik, Professionalismus und Dilettantismus ist in keinem Instrument des 20. Jahrhunderts so stark anwesend als in der Blockflöte.

Musikarten:
Kirchenmusik:
Konzertmusik (Ernste Musik, Jazz, Pop, Progessive Rock, Prog Folk, Neo Volksmusik):
Haus- und Spielgruppenmusik:
Tanzmusik (Ball room / Popular):
Ensembleformen, u.A:
  • Solo Blockflöte mit Klavier
  • Solo Blockflöte mit Schlagzeug
  • Solo Blockflöte mit Tape u. Elektronik
  • Solo Blockflöte mit Kammerorchester
  • Blockflötenquartett
  • Blockflötenensemble (3 bis 8 Stimmig)
  • Blockflöte und Streichtrio oder Quartett
  • Blockflötenorchester
Komponisten:   Louis Andriessen, Chiel Meijering, Bohuslav Martinů, Luciano Berio, Tristan Keuris, Lennox Berkeley, Gerhard Braun, Paul Hindemith, Hans U. Staeps, Ryohei Hirose, Maki Ishi, Isang Yun  u.a.

Blockflötenvirtuosen:  Frans Brüggen, Amico Dolci, Richard Harvey, Dan Laurin, Hans Martin Linde, Michala Petri, Marjon Verbruggen u.a.
Ensembles: Wiener Blockflöten Ensemble, Gryphon, Quadro Hotteterre, Amsterdam Loeki Stardust Quartet u.a.

 
Das Blockflötenorchester.

Der englische Blockflötist/Komponist  Dennis Bamforth gilt als der große Förderer vom neuen Renaissance 'Stimmwerk'. Viele neue Kompositionen werden für dieses neue Klangideal geschaffen. In Deutschland ist vor allem Frau Hildegard Zavelberg aktiv in diesem Bereich.

  21. Jahrhundert

meta musical styles: non pop, non-repetitive minimalism, minimal music, world music, polystilistik

Multikulturelle Ideale, erneutes Interesse in alten Kulturen, Erweiterung vom Horizont und eine große Anzahl sehr guten Blockflötisten sorgen für ein heterogenes Repertoire.

Musikarten:
Kirchenmusik:
Konzertmusik (Ernste Musik, Jazz, Pop, Neo Volksmusik):
Haus und Spielgruppenmusik:
Tanzmusik (Ball room, Popular):
Ensembleformen, u.A: 
  • Solo Blockflöte mit Klavier
  • Solo Blockflöte mit Schlagzeug
  • Solo Blockflöte mit Elektronik
  • Solo Blockflöte mit Kammerorchester
  • Blockflötenquartett
  • Blockflötenensemble (3 bis 8 Stimmig)
  • Blockflöte und Streichtrio oder Quartett
  • Blockflötenorchester

Komponisten:   Fulvio Caldini, Philip Wharton, Graham Fitkin, Jacob ter Veldhuis, Simon
                           Rummel u.a
Blockflötenvirtuosen:  Piers Adams, Susanna Borsch, Dorothee Oberlinger, Rachael Cogan
                                       u.a.
Jazzblockflötisten: Winfried Hackl, MAALO, Masato Honda, Jean-Francois Rousson, Pete
                                 Rose, Rodney Waterman u.a.
Ensembles:
  Red Priest u.a.







Foto's auf dieser Seite:
1: Cylindrisches Flöten von Bob Marvin, 2: Stimmwerk von Martin Praetorius 3: Kynseker Basset  4: The Chester Recorders von Peter Bressan 5: Zwei Biedermeierflöten von 6: Knickbass und Knicktenor erfunden von Heinz und Ulf Rössler 7: The San Francisco Recorder Orchestra 8: Alt Blockflöte (Mollenhauer/Tarasov/Paetzold) und Sopran Blockflöte (Moeck/Ehlert)

Schaue weiter auf:
http://www.essentialvermeer.com/music/recorder.html
http://www.heptner-online.de/index.php?item=history
http://www.jazzrecorder.com
MAALO: http://www.youtube.com/watch?v=-DPOJQKVog8
Masato Honda:  http://www.youtube.com/watch?v=H0a8k_s4ako&NR=1
Rousson: http://www.youtube.com/user/jfrousson

Die Repertoirebeschreibung und geschichtliche Informationen sind Teil vom Curriculum von Karel van Steenhoven 2008


Seitenanfang

zurück zur homepage